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Bildungsplan der Realschule
1. Was
ist neu?
Die
Realschule in Baden-Württemberg versteht sich als eine "Schule
der Realien", die sich der Wirklichkeit in besonderer Weise
verpflichtet fühlt. Ihr Erfolg erklärt sich aus einer
jeweils raschen, ideologiefernen und pragmatischen Anpassungsfähigkeit
an sich verändernde gesellschaftliche Bedürfnisse. Von
der Gründung der ersten Realschulen im 18. Jahrhundert in
Baden und in Württemberg bis zur Eröffnung der 459.
Realschule im Jahre 2000 gehört es zum Selbstverständnis
der Lehrerinnen und Lehrer an Realschulen hier im Südwesten
sich als lernende Schule zu begreifen. Leistungsorientierung und
Kreativität sind für die Realschule zwei Seiten ein
und der selben Medaille.
Hierfür zwei Beispiele:
Qualitätsorientierung:
Die Realschule begann bereits 1998 zusätzlich zu der bewährten
zentralen Abschlussprüfung mit der Entwicklung und Erprobung
zentraler Jahrgangs- und Diagnosearbeiten Ende der Klassen 6 und
8 auf freiwilliger Basis. Diese sind die Vorläufer der neuen
Vergleichsarbeiten.
Kreativität:
Die gelungene Kombination von zeitgemäßen Inhalten
und Lernformen wird im themenorientierten Projekt 'Wirtschaften,
Verwalten und Recht' (TOP - WVR) deutlich.
Überfachliche Kompetenzen und Kommunikationsfähigkeit
lernt man in projektorientierten Unterrichtsformen besser, z.
B. in den im Rahmen von WVR gegründeten Schülerfirmen.
Von oben angestoßen und von den Schulen vor Ort entwickelt,
hat sich WVR im Laufe von fünf Jahren an allen 459 Realschulen
im Pflichtprogramm etabliert. Aus den hieraus gewonnenen positiven
Erfahrungen wurde das Spektrum der Themenorientierten Projekte
erweitert. Ab 2004/2005 gehören außerdem die themenorientierten
Projekte "Technisches Arbeiten" (TOP TA, Klasse 5/6)
und "Soziales Engagement" (TOP SE) zum obligatorischen
Bildungsangebot der Realschule und sind wesentlicher Bestandteil
ihres Profils. Die Be-rufsorientierung an der Realschule (BORS)
wird ebenfalls zu einem themenorientierten Projekt ausgeweitet.
Außerdem werden zwei Fächerverbünde neu geschaffen:
NWA und EWG
a) NWA = Fächerverbund naturwissenschaftliches
Arbeiten, d.h. Biologie, Chemie und Physik.
Die Natur und unsere Lebenswelt sind so komplex,
dass nur eine naturwissenschaftliche Grundbildung,
also die Zusammenschau der biologischen, chemischen,
physikalischen und teilweise auch technischen Aspekte
den Schülerinnen und Schülern ermöglicht, ein brauchbares
Konzept von Natur zu entwickeln. Der naturwissenschaftlichen
Grundbildung gelingt es damit, das (fachlich)
Einzelne in seinem Bezug zum Ganzen verständlich zu machen.
b) EWG = Fächerverbund Erdkunde - Wirtschaftskunde
- Gemeinschaftskunde
Die Veränderungen der Gesellschaft im Kontext
einer globalisierten Welt mit all ihren Facetten
erfordert eine Haltung der Offenheit und Dynamik, wo Lernen
zur Lebensform wird. Der neue Fächerverbund Erdkunde, Wirtschaftkunde,
Gemeinschaftskunde will neben diesen vernetzenden Aspekten
auch die ökonomische Bildung stärker in den Vordergrund
rücken. So sollen unsere Schülerinnen
und Schüler nicht nur zum vernetzten Denken angeleitet
werden, sondern dies auch auf Alltagsituationen übertragen
und anwenden können. Dies schließt
eine positive Grundeinstellung zum Gemeinwesen,
zu Politik und zu unternehmerischer Selbstständigkeit in
der Wirtschaft mit ein. Dies gilt insbesondere
für ein zusammenwachsendes Europa.
c) Bisherige
Fächer der Realschule: Als traditionelle Fächer bleiben
weiterhin Deutsch, Mathematik,
die Fremdsprachen Englisch und Französisch, Sport, Geschichte
(in Klasse 10 verbunden mit EWG) sowie Musik und Bildende Kunst
als affine Fächer des musisch-künstlerischen Bereichs
bestehen.
Zu den Fremdsprachen: Die Anbindung an den Fremdsprachenunterricht
der Grundschule wird den Ausbau des bilingualen
Unterrichts und weiterer differenzierender Ansätze
fördern. Die Weiterentwicklung der Fremdsprachen beschäftigt
sich folgerichtig auch mit der Veränderung der Abschlussprüfung
durch die Erprobung der neuen mündlichen
Überprüfung in Klasse 10, die vor allem
die kommunikative Kompetenz der Schülerinnen und Schüler
im Sinne des zusammenwachsenden Europas fördern
will (EuroKom).
d) Das Fach Mensch und Umwelt (MUM)
umfasst ausgehend vom privaten Haushalt die
Themenbereiche Ernährung, Kleiden, Wohnen, Wirtschaften und
Soziales.
e) Technik: Gerade weil Jugendliche
heute in nahezu allen Lebensbereichen von der
Technik umgeben und betroffen sind, müssen sie z.B. technische
Entwicklungen oder Ob-jekte bewerten, sie auswählen
und über sie entscheiden oder technische
Objekte in Betrieb nehmen, sie gebrauchen und
bedienen, sie warten, pflegen und instand setzen.
f) Durch den verstärkten Einsatz der
Informationstechnik an den Schulen und deren
Integration in die Fächer wird der Unterricht verändert.
Neue Werkzeuge ermöglichen selbstständigere
Arbeitsformen, fordern diese aber auch verstärkt
ein. Ob als Werk- oder Lernzeug, als Mittel zur Informationsbeschaffung
oder zur zeit- und ortsversetzten Kooperation – die Informationstechnik
kann die Anschauung komplexer Inhalte erleichtern, die Selbsttätigkeit
der Schülerinnen und Schüler fördern und einen
differenzierten und schülerorientierten
Unterricht unterstützen. Diesen Möglichkeiten und dem
Auftrag, Medienkompetenz zu vermitteln, darf sich Schule nicht
verschließen.
2. Prinzipien der Unterrichtsgestaltung
Die Schülerinnen und Schüler erwerben an den im Vordergrund
stehenden fachlichen Inhalten nicht nur Kenntnisse über die
"Welt" - sie erwerben darüber hinaus im Unterricht
durch mehr und mehr selbstständiges Handeln, durch Übernahem
von Verantwortung für den eigenen Lernprozess vielfältige
Fertigkeiten und Kompetenzen in fachlicher, personaler, sozialer
und methodischer Hinsicht. Dabei geht es vor allem in den Fächerverbünden
um exploratives und gleichzeitig exemplarisches Lernen, dass für
die Zukunftsfähigkeit der Schülerinnen von großer
Bedeutung ist. Die Themenorientierten Projekte (ToPe) bieten die
Möglichkeit, die erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten
nachhaltig werden zu lassen und sich damit auf die Berufausbildung
und/oder die weiterführenden Schulen vorzubereiten.
3. Leistungsmessung
Die Bildungsreform führt auch zu einer Neugestaltung der
Realschul-Abschlussprüfung. Im Zuge der Weiterentwicklung
gibt es Überlegungen, neben der bisherigen schriftlichen
Prüfung in Deutsch, der Pflichtfremdsprache und Mathematik
folgende Elemente in einem Gesamtkonzept zu integrieren: In einem
der Fächerverbünde (EWG oder NWA) muss eine Projektprüfung
abgelegt werden. Darüber hinaus wird jeweils eine mündliche
Prüfung im Wahlpflichtbereich sowie einem Neigungsfach durchgeführt.
Die Prüfung im Wahlpflichtbereich sollte dabei auf einer
zuvor erstellten Jahresarbeit basieren.
4. Aus dem Bildungsplan Realschule:
Grundansatz des Fächerverbundes: Unsere komplexe Welt bedarf
über die Fachsystematiken hinaus einer zunehmend ganzheitlichen
Betrachtungsweise. In der Schule müssen die Lehrkräfte
den Schülerinnen und Schülern verstärkt ein vernetztes
und über die Fächer hinausgehendes Denken vermitteln.
Dazu ist es notwendig, Themen in der Sichtweise ei-nes Fächerverbundes
zu behandeln. Die daran mitwirkenden Fachwissenschaften und Fachdidaktiken
sind dabei eine unverzichtbare Basis des schulischen Arbeitens.
Fachüberschreitend-integratives und fachorientiert-systematisches
Lernen müssen sich hierbei ergänzen.
Fächerverbund
EWG: Erdkunde - Wirtschaftskunde - Gemeinschaftskunde
In diesem Fächerverbund erwerben die Schülerinnen und
Schüler grundlegende Kompetenzen und Einsichten aus dem Bereich
der Gesellschaftswissenschaften. Zu den gemeinsamen Zielen, die
im Rahmen des Fächerverbundes EWG angestrebt werden sollen,
gehören insbesondere
Ø die Analyse der Lebens- und Umwelt an exemplarischen
Beispielen. Dabei gilt es, Wechselwirkungen
zwischen Mensch und Raum, Abhängigkeiten von Naturkräften
sowie von wirtschaftlichen und politischen Einflussnahmen zu verdeutlichen.
Ø Die Einsicht und Erkenntnis in die zunehmende Globalisierung
wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Vorgänge.
(...)
Ø Die Reflexion des Lebens in unterschiedlichen Räumen
und Gruppen. Dabei gilt es, handlungs- und erfahrungsorientiert
ein demokratisches, tolerantes, solidarisches
und umweltgerechtes Verhalten einzuüben.
Ø Die Selbstreflexion der eigenen - auch geschlechtsspezifischen
- Rolle der Mädchen und Jungen. Diese gilt
es im Hinblick auf die Persönlichkeitsbildung der
Schülerinnen und Schüler insgesamt zu fördern.
Fächerverbund
NWA: Naturwissenschaftliches Arbeiten:
Der Fächerverbund wurde bewusst "Naturwissenschaftliches
Arbeiten" genannt um zu verdeutlichen, dass Kenntnisse und
Fähigkeiten durch eigenes Experimentieren, Recherchieren
und Reflektieren erworben werden. Naturwissenschaftliches Arbeiten
lässt die Schülerinnen und Schüler die Natur erfahren
und begreifen. Diese direkten Begegnungen mit der natur haben
im Medienzeitalter einen besonderen Stellenwert. Für das
Verständnis unserer Kultur und Lebensweise ist sowohl der
emotionale Bezug zur Natur als auch das verstandesmäßige
Durchdringen natürlicher und technischer Phänomene wichtig.
Themenorientierte
Projekte:
Die Themenorientierten Projekte ermöglichen die Öffnung
von Schule in besonderer Weise. Das Einbeziehen von Realien sowie
der Umgang mit Realsituationen stärken die Identifikation
der Schülerinnen und Schüler mit der Realschule und
ihrer Region.
Kern der Themenorientierten Projekte ist die Prozessorientierung,
das heißt Schülerinnen und Schüler werden in den
Unterrichtsprozess eingebunden. Planung, Durchführung, Präsentation
und Reflexion sind nicht nur Mittel, sondern auch Ziel der Arbeit.
(...)
Die komplexe Aufgabenstellungen in Projekten sind nicht durch
Standardlösungen zu bewältigen. Deshalb lernen Schülerinnen
und Schüler im Projekt Alternativen zu entwickeln und lösungsorientierte
Vorgehensweisen zu planen und durchzuführen. Das Lernen und
Anwenden von Techniken zur Förderung von Kreativität
unterstützt die Projektplanung und Durchführung. Dabei
werden die Schülerinnen und Schüler ermutigt, eigene
Denkpfade zu verlassen und in neue Richtungen zu denken.
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