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Fachbereich
NWA/Klassenstufe 6 Diversitätstag Dokumentation |
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1. Vorwort Die Biodiversität wurde von dem Amerikaner E. O. Wilson in den achtziger Jahren zum Qualitätsbegriff im Naturschutz gemacht. Zusammen mit seinem Kollegen MacArther entwickelte er durch Untersuchungen auf Südseeinseln eine einfache mathematische Formel für den Artenschwund: Die Menge der in einem Gebiet lebenden Arten vermindert oder vermehrt sich um 50 %, wenn ihr Habitat um das Zehnfache verkleinert oder vergrößert wird. In der Agenda 21 wurde die Diversität neben der Nachhaltigkeit zum zentralen Begriff. Umfassender definiert auf dem Weltgipfel 1992 in Rio de Janeiro schließt er heute unter anderem den sozialen und ethnischen Bereich ein. Der Diversitätstag geht auf die Zeitschrift GEO zurück, die erstmals die Untersuchung von Naturschutzgebieten unter der Mithilfe aller namhaften und verfügbaren Experten iniziierte. Gegenwärtig werden Diversitätstage von botanisch-zoologischen Instituten und von den Naturschutzverbänden gelegentlich durchgeführt. In die Schulen hat die Idee noch nicht Eingang gefunden, obwohl sie wie keine andere geeignet ist, die emotionalen, kognitiven und aktionalen Voraussetzungen für einen verantwortlichen Umgang mit der Natur zu schaffen. Mit der Initiative will die Matern-Feuerbacher-Realschule die Diversität in das Bewusstsein ihrer Schüler und damit unter die Bewohner des Bottwartales bringen und zeigen, dass dies auch ohne die namhaften Experten möglich ist. Dabei baut die Schule auf die Ungestaltungsmaßnahmen auf, die sie in den letzten 20 Jahren im Rahmen einer Schulgartenanlage und den damit zusammenhängenden Pflegemaßnahmen aufgebaut hat (siehe Anhang). |
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Im neuen Fächerverbund NWA wird für die Klasse 6 die themenorientierte Einheit „Erfassen eines Lebensraumes“ empfohlen. Es liegt nahe, die erste Begegnung der Unterstufenschüler mit ökologischen Zusammenhängen in einem überschaubaren Lebensraum aufzunehmen. Es ist genauso möglich, dieses Ereignis im Wald oder in anderen Landschaftselementen wie zum stattfinden zu lassen. An der Matern-Feuerbacher-Realschule wird die Einheit projektorientiert unterrichtet: Die Schüler arbeiten in Gruppen und arbeitsteilig, können sich selbst organisieren und haben einen größeren Entscheidungsspielraum als im regulären Unterricht. Günstig ist es, wenn die Schüler in dem Bereich, in dem sie sich täglich mehr oder weniger achtlos bewegen, durch gezieltes Suchen nach Pflanzen- und Tierarten die Vielfalt selbst entdecken und ins Staunen kommen. |
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In einem zweiten Schritt werden Artenkenntnisse erworben, indem sich jeder Schüler, mit den Arten auseinandersetzt, die er gefunden hat. Dieser Teil der Einheit ist Bestandteil der Bewerbung um den Naturschutzpreis. Durch Zeichnen und Sammeln von weiteren Informationen werden Kennzeichen von Tiergruppen und Nahrungsbeziehungen erschlossen und vertieft. Die Erhebung von den Standortfaktoren Licht, Temperatur und Luftfeuchtigkeit mit einfachen, zum Teil selbst gebauten Geräten erlauben Rückschlüsse auf die Ansprüche der Arten an ihren Lebensraum. In einer Informationsphase stellen die Gruppen ihre Erkenntnisse allen anderen vor. In einem letzten Schritt werden alle Ergebnisse in einem Gemeinschaftsdokument zusammengefasst, in dem sich jeder einzelne Schüler mit seiner Pflanzen- und Tierart wieder findet. Eine Präsentation vor Eltern, Gemeindevertretern oder in öffentlichen Einrichtungen schließt sich an. Teil der Dokumentation ist eine Artenliste, die dann von den folgenden Schülerjahrgängen aktualisiert wird. Auf diese Weise kann die Artenvielfalt eines Lebensraumes schrittweise erfasst und die Fertigkeit von Lehrenden und Lernenden einer Schule, Pflanzen- und Tierarten zu bestimmen, im Laufe von Jahren entwickelt und damit eine wichtige Voraussetzung für umweltgerechtes Verhalten angebahnt werden. |
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3. Ausrüstung Die Hilfsmittel zum Fangen und
Betrachten von Pflanzen und Tieren bestehen größtenteils
aus Gegenständen des Alltags, die die Schüler selbst mitbringen:
Schuhschachteln, Leintücher, durchsichtige Kunststoffverpackungen,
Filmdosen. Becherlupen sind im Spielwarenhandel erhältlich. Federstahlpinzetten
und Exhaustoren können bei der Landesanstalt für Erziehung
und Unterricht bezogen werden und sind nicht teuer. Bestimmungsbücher
sind in vielen Familien vorhanden. |
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4. Durchführung des 1. Diversitätstages an der Matern-Feuerbacher-Realschule Am 5. Mai 2004 war es kühl
und es regnete den ganzen Morgen immer wieder. Das hat wohl dazu geführt,
dass nicht so viele Arten entdeckt wurden, auf die Moral der Schüler
hatte es keinen Einfluss. Mit großem Eifer suchten ca. 90 Schüler
das gesamte Schulgelände ab und brachten ihre Funde in die Aula
des Schulzentrums, um sie dort stolz ihren Lehrern und Mitschülern
zu zeigen. Im Laufe des Vormittags entwickelte sich eine Eigendynamik,
die von den Lehrern behutsam auf ein richtiges Maß gebracht werden
musste, weil die Zahl der Entdeckungen nicht mehr bewältigt werden
konnte. Hier stellte es sich heraus, dass es richtig war, die Schüler
darauf hinzuweisen, dass Pflanzen nicht einfach abgerissen werden dürfen,
denn unter den Entdeckungen waren neben einigen seltenen Pflanzen auch
zwei Orchideenarten. |
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| Es war zu erwarten, dass
die artgenaue Bestimmung von Gliedertieren nicht immer möglich ist.
Aber auch die für Schüler dieser Altersstufe einsetzbaren Pflanzenbestimmungsbücher
sind nicht vollständig, führen nicht immer zum Ziel und können
bei den Lernenden insbesondere auch bei den Lehrenden Frustration auslösen.
Die Auflockerung des traditionellen Verständnisses der Lehrerrolle
kann für beide Seiten Erleichterung bringen: Die Lehrer lernen zusammen
mit ihren Schülern; für den Augenblick nicht bestimmbare Formen
werden gezeichnet, nach Möglichkeit fotografiert und so genau wie
möglich beschrieben; die Schüler können die Tiere mit einem
eigenen Namen benennen; für die folgenden Jahrgänge bleiben
die Erkenntnisse erhalten bzw. können weiter verfolgt werden.
Am 1. Diversitätstag der
Matern-Feuerbacher-Realschule konnten die Schüler der 6. Klassenstufe
insgesamt 113 Pflanzen- und Tierarten beschrieben. Das einspricht nicht
der tatsächlichen Artenausstattung des Schulgeländes. Da es
sich um ein pädagogisches Projekt handelt, kann die Vollständigkeit
und das Erkennen von Veränderungen infolge von Umgestaltungsmaßnamen
nur auf lange Sicht das Ziel sein. |
![]() Bleiches Waldvögelein (Fruchtstand) |
5. Artenlisten Gehölze |
![]() Elsbeere |
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![]() Knäuelgras |
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![]() Wittwenblume |
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![]() Grasfrosch (Larve) |
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![]() Roßameise |
Krebse · Assel |
![]() Schnirkelschnecke |
Spinnentiere · Wolfspinne |
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| Hundertfüßer
· Erdläufer Doppelfüßer · Bandfüßer Ringelwürmer · Regenwurm |
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6. Bewertung Aus der Sicht der Schüler, der Lehrer und der Schule war der Diversitätstag ein Tag, der sich deutlich vom Schulalltag abhebt: · Die Auflösung des Klassenverbandes für einen Vormittag unterstreicht das Anliegen des Artenschutzes. · Die Entdeckung der Biodiversität an kaum beachteten, unscheinbaren Kleinbiotopen macht die Artenvielfalt eindrucksvoll erfahrbar. · Die Hinwendung der Schüler zu wenigen ausgewählten Arten schafft eine emotionale Beziehung, die im nachfolgenden Unterricht trägt. · Für die Lehrer bleibt der Aufwand überschaubar und damit auf Dauer praktizierbar, wenn sie ihren Hang zum Perfektionismus überwinden, sich mit vorläufigen Ergebnissen zufrieden geben und dabei das erzieherische und das ethische Ziel der Erhaltung der Biodiversität langfristig sehen. · Die Artenlisten haben für den Naturschutz sicher nur einen bedingten Wert, die Schüler erkennen in ihnen jedoch ein Werkzeug, das den verantwortungsvollen Umgang mit der Natur möglich macht und die kritische Bewertung von Veränderungen durch den Menschen anbahnt. · Das vom Fachbereich NWA
erarbeitete Konzept kann von anderen Schulen übernommen, lebenslang
praktiziert und auf andere Lebensräume übertragen werden –
insbesondere auf Kulturbiotope, die infolge von Eingriffen immer wieder
Veränderungen unterworfen sind wie Weinberge, Wirtschaftswiesen,
aufgelassene Standorte etc.. |
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