An jeder Schule gibt es
Eltern, die sich für die Schulprogrammarbeit der Schule ihrer
Kinder interessieren – nur wie findet man sie und wie kann
man ihre Mitarbeit gestalten und sicherstellen?
Das Mitwirkungsorgan der
Schulpflegschaft besteht meistens aus Elternteilen, die wissen,
dass auf sie bestimmte Aufgaben zukommen und die bereit sind,
diese Aufgaben auch zu erfüllen. Insofern ist das Gremium
der Schulpflegschaft – insbesondere, wenn man die Klassenpflegschaftsvorsitzenden
und ihre Stellvertreter/innen anspricht, ein Adressatenkreis,
der zum einen sehr wohl Informationen über Arbeitsergebnisse
verbreiten kann, zum anderen Ansprechpartner für Lehrerinnen
und Lehrer und für die Schulleitung sein kann, wenn es um
konkrete Mitarbeit an der Schule ihrer Kinder geht.
Wenn wir es an der Schule erreichen regelmäßige und
qualifizierte Konferenzarbeit zu leisten, haben Eltern die Möglichkeit,
mit ihren Ideen und Anliegen zur spezifischen Schulprogrammarbeit
beizutragen. Insbesondere der Einsatz der neuen Technologien kann
hier auch Ressourcen aus der Elternschaft nutzen; Unterrichtsprojekte
mit dem PC, Lernsoftware und Interneteinsatz sind Themen, bei
denen Erziehungsberechtigte mitreden und mitwirken können.
Aber auch das außerunterrichtliche Angebot wie Hausaufgabenbetreuung,
Nachhilfeangebote und und und, kann von Eltern mitgestaltet werden.
Weitere Beispiele:
Pädagogische Leitsätze
Da die Erziehungsberechtigten
sich vom pädagogischen Programm der Schule ihrer Kinder angesprochen
fühlen müssen, sollen sie auch an der Festlegung der
Leitsätze beteiliget wedrden. Die eigenen Erwartungen an
die Schule: „Was erwarten Sie von unserer Schule für
ihr Kind?“ – an der Stelle äußern zu können,
wo sie hingehören, sind für die gemeinsame Erziehungsarbeit
von Schule und Elternhaus wichtige Voraussetzungen.
Im Protokoll werden stichwortartig
die Ergebnisse der Gruppenarbeit innerhalb einer Schulpflegschaftssitzung
zusammengefasst:
Gruppe 1: Erziehung und
Bildung gleichermaßen
Berufsorientierungswochen (Betriebe / Schule)
Ordnungssinn – Sauberkeit im Klassenraum
Teilweise geschickteres pädagogisches Verhalten der Lehrer/innen
Gruppe 2: Eigenverantwortlichkeit
Selbständigkeit
Kreative Fähigkeiten verstärkt fördern
Lebensnahen Unterricht
Direkten Kontakt der Lehrer/innen zu den Eltern
Konsequente Disziplinierung bei Fehlverhalten der Schüler/innen
Gruppe 3: Fit werden für
den Einstieg ins Berufsleben
Vorbereiten auf das Berufsleben
Mit-Erziehung zum selbstbewussten, kritisch beobachtenden Menschen
(Lehrer/in, sich selbst, Gemeinschaft etc.)
Grenzen aufzeigen, Grenzen setzen
Sorgfältiger Umgang mit fremdem Eigentum
Toleranz
Gruppe 4: Vermittlung von
Unterrichtsstoff
Vorbereitung auf das Berufsleben
Lerninhalte auf das spätere Berufsleben beziehen
Motivation der Schüler/innen, den Unterrichtsstoff in allen
Fächern
bereitwillig aufzunehmen
Erziehung zu selbständigen, kritikfähigen Menschen
Vermittlung von gegenseitigem Respekt (Lehrer/in - Schüler/in;
Schüler/in –Lehrer/in)
Direkte Benachrichtigung der Eltern bei Ordnungswidrigkeiten
Krisengespräche, die die ganze Klasse betreffen, nicht aufschieben
Praktisches Tun
Von diesen Erwartungen zu
einer gemeinsamen Formulierung – Schule und Elternhaus –
der pädagogischen Leitsätze zu kommen, bedarf es nur
noch eines gezielten Schrittes. Die von der Lehrerkonferenz erarbeiteten
Leitsätze waren Arbeitsvorlage für die Erziehungsberechtigten:
Unser Ziel ist, die Schülerinnen
und Schüler mit ihren individuellen Begabungen und Fertigkeiten
in einer angenehmen Lernatmosphäre zu fördern und zu
fordern, so dass sie ihr Leben persönlich und beruflich meistern
können. Unsere Schülerinnen und Schüler sollen
in einer sich stetig wandelnden Welt, selbstständig, informiert,
kritisch und verantwortungsbewusst, allein und in der Gemeinschaft,
die an sie gestellten Anforderungen erfüllen können
und in der Lage sein, unsere Zukunft mitzugestalten.
Minimalkonsens
Immer, wenn in Lehrerkonferenzen
bestimmte pädagogische Themen bearbeitet worden sind, die
die Unterstützung und Mithilfe der Erziehungsberechtigten
erfordern, hat die Schulleitung die Möglichkeit, in der Schulpflegschaft
diese Anliegen vorzustellen und die Mitarbeit zu erbitten. Wenn
auch nicht alle Erziehungsberechtigten in der Lage sind, ihre
Mitarbeit anzubieten, gibt es dennoch einige, die bereits sind,
für überschaubare Zeit in einer Arbeitsgruppe mitzuwirken
und die Perspektive der Eltern einfließen zu lassen. Die
tägliche Erziehungsarbeit der Lehrer/innen und der Eltern
lässt sich durch gemeinsame klare Zielsetzungen und Regelungen
erleichtern. Ein „Minimalkonsens“ zu verschiedenen
Bereichen, die im schulischen Leben immer wieder der Erklärung
und Erinnerung und Übung bedürfen, wird erstellt und
miteinander verabredet. Für folgende Bereiche sind auf diese
Weise Regelungen als „Minimalkonsens“ aufgestellt
worden:
1. Führen von Schul-
und Hausheften
2. Klassenarbeitshefte / Klassenarbeitsmappen
3. Weitere Unterrichtsmaterialien
4. Methodentraining
5. Umgangsformen
6. Unterrichtspausen / Unterrichtsende
7. Müllvermeidung
Schulumfeldgestaltung
Ein weiteres Beispiel zeigt,
wie die Initiative einzelner einen Entwicklungsprozess in Gang
setzen kann, der große Kreise zieht und noch nicht abgeschlossen
ist. Die engagierte Elternschaft sorgt sich mit der Schulleitung
und dem Kollegium um das schulische Umfeld:
Spielmöglichkeiten, Verschönerungen, Pflege des Vorhandenen
sind Anlass für verschiedene Aktionen. Schülerinnen
und Schüler werden innerhalb des Atelierunterrichts und des
Diversitätstages in ein fächerübergreifendes Unterrichtsprojektes
eingebunden, die Pflege der verschiedenen Biotope im Jahresablauf
zu übernehmen und die Förderung des Naturschutzes auf
dem Schulgelände zu erlernen.
Gleichzeitig wird aber auch deutlich, dass Tätigkeiten der
Eltern, Schüler/innen und des Schulträgers koordiniert
werden müssen – also ein Konzept entwickelt werden
muss. Ein Gestaltungsentwurf mit Vorschlägen zur Neugestaltung
im Innen- und Außenbereich der Schule kann in absehbarer
Zeit der Schulgemeinde und dem Schulträger vorgestellt werden.
Die Vorschläge werden auf ihre Durchführbarkeit hin
untersucht und von einer Elterngruppe per Antrag an den Schulträger
eingereicht. Die Elterninitiative hat Erfolg: Finanzielle Mittel
werden bereitgestellt, um wenigstens beginnen zu können.
Eigenarbeiten der Eltern, Schüler/innen und Lehrer/innen
werden mit in die Erneuerung der Schulumfeldgestaltung eingebracht.
Die Erneuerung der Bausubstanz mit gestalterischen Veränderungen,
wie sie der Entwurf vorschlägt, ist die Aufgabe des Schulträgers
und sie wird auf den Weg gebracht. Die Elterninitiative wird bestätigt
und ihre Mitglieder fühlen sich weiterhin verantwortlich.
Die Identifikation mit der Schule ihrer Kinder ist ein aktiver,
sehr lebendiger Prozess für alle Beteiligten geworden.
Elterninitiativen
Wenn eine Schule wie wir
das Glück hat, Schulpflegschaftsmitglieder zu haben, die
von sich aus aktiv werden möchten, kann viel an produktiver
gemeinsamer Erziehungsarbeit geleistet werden. Das Vertrauensverhältnis
zwischen diesen Erziehungsberechtigten und den Lehrer/innen der
Schule muss sorgsam gepflegt werden. Die Schulleitung spielt eine
wichtige Koordinationsrolle. Regelmäßige Gespräche
zwischen Elternbeiratsvorsitzender und Schulleitung schaffen eine
vertrauensvolle Atmosphäre, schaffen eine gemeinsame Richtung,
die erlauben, dass auch konfliktträchtige Themen konstruktiv
angesprochen und gelöst werden können.
Viele Erziehungsberechtigte
vergessen nach der ersten Klassenpflegschaftssitzung häufig,
dass sie Mitwirkungsgremien an der Schule ihrer Kinder haben.
Ein Arbeitskreis der Schulpflegschaft verfasste daher eine Ideensammlung,
die Klassenpflegschaftsvorsitzende ermuntern soll, mit den Erziehungsberechtigten
„ihrer Klasse“ initiativ zu werden. (z.B. offener
Stammtisch, Klassenfest, Projektarbeit vorstellen, Vorträge
zu bestimmten Themen, Gemeinsame Unternehmungen mit Schülern
und Eltern, Sportliche Aktivitäten, Backnachmittage, Internet-Treffs
etc.)
Eine engagierte Schulpflegschaft
versucht regelmäßig, an sich und ihre Anliegen zu erinnern:
Wenn Elternbeiratsvorsitzende zu verschiedenen Schulanlässen
präsent sind, mit den Erziehungsberechtigten Gespräche
suchen und für besondere Fälle auch ein Sprechzimmer
zur Verfügung haben, lässt sich viel Transparenz der
täglichen Schularbeit herstellen. Ein Info-Stand der Elternbeirats-
und der Fördervereinsarbeit auf Schulfesten, am Tag der offenen
Tür, beim Kennenlernnachmittag der neuen Klassen, bei der
Anmeldung zeigt den Erziehungsberechtigten der Schule, dass ihre
Anliegen und ihre Mitarbeit ernst genommen werden. Sicherlich
werden so auch viele Ressourcen in der Elternschaft den Lehrerinnen
und Lehrern und der Schulleitung offenbar werden und natürlich
können diese Ressourcen, wenn man sie erst einmal kennt,
unmittelbar zum Wohle aller Schülerinnen und Schüler
genutzt werden.